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3. Ernst Alexander Bauer
(07.11.2010):
Erläuterungen zu meinen Bildern der
Ausstellung: "Gemalte Szenen, Quadrate und Typografien“,
Vernissage am 7. November 2010 in
St. Jobst, 11.30 Uhr
1. Zum Titel
der Ausstellung
Der Titel
„Gemalte Szenen, Quadrate und Typografien“ ist sehr formal, betont sachlich. Er
gewährt keine Hilfe für den Betrachter, sich in die gedanklichen und
künstlerischen Absichten des Malers einzufinden. Das könnte seine Erklärung in
der freundlichen Absicht des Malers haben, den Betrachter in seiner eigenen
Interpretationslust und seinem Empfinden nicht einzuengen.
Aber es ist nicht so!! Vielmehr stehe ich selbst nicht mit so klar
formulierbaren Gedanken- und Gefühlskonstruktionen meinen Bildern gegenüber. Es
gibt sie natürlich, aber sie verändern sich zu schnell, als dass ich sie in
einem Vortrag einfangen könnte. Abgesehen davon, dass es ohnehin für alle Kunst
gilt, dass nicht alle ihre Schichten in Worte zu fassen sind.
2. Der Titel
der Ausstellung ist nur die Gliederung:
- Die Szenen
- Die Quadrate
- Die Typografischen Tafeln,
Diese drei Bereiche verstehe ich als Projekte von unterschiedlichem Wesen. Sie
haben aber eine Gemeinsamkeit: Eine von mir jeweils vorweg festgelegte
Vorgehensweise bei ihrer Realisation, die einzuhalten ich mir vornehme -
jedenfalls für eine längere Zeit.
3. Die „Szenen“
Sie sind das Kernstück meiner
malerischen Interessen:
"Die Malerei von Szenen mit der menschlichen Figur als
Ausdrucksträger" .
Der Antrieb dazu kommt aus dem Motiv, durch von mir inszenierte
Zusammen-stellungen von Figuren mir „be-greifbar“ zu machen, wie und was ich in
meinem engeren und weiteren gesellschaftlichen Umfeld erlebe. Dabei bemühe ich
mich um ein Höchstmaß an Subjektivität.
3.1 Ausgangspunkt:
Das Ausgangsmaterial ist die sehr große Anzahl von digitalen privaten
Fotografien des Alltags und außerordentlicher Anlässe, die ich wöchentlich
produziere. Indem ich sie regelmäßig und wiederholt betrachte, finde ich in den
Fotografien Bild-konstellationen vor, in die ich Metaphern menschlichen Fühlens
und Handelns hineinprojiziere. Diesen nähere ich mich dann allmählich im
Malvorgang. Ich selbst verstehe das aber nicht als das Erstellen eines neuen
Bildes. Vielmehr ist es für mich die Verdeutlichung einer Seite, die bereits in
der Ausgangsfotografie liegt.
3.2 Ein Beispiel: “Fremde Bekannte“
Die dem Bild zugrunde liegende Fotografie entstand bei einem sonntäglichen
Familienspaziergang mit unserer Enkeltochter an einem zwar noch kühlen aber freundlichen
Frühjahrstag. Es war eine absolut entspannte Situation: das Wetter, die
einander zugewandte Stimmung, unsere geliebte Evelin usw.
Als ich Tage später meine Ausbeute an Fotografien von diesem Tag mehrfach
betrachtete, wurde meine Aufmerksamkeit am meisten auf ein Foto gelenkt, auf
dem meine Frau sich liebevoll zu dem Kind hinunter bückt – eine Idylle. Indem
ich aber dieses Erinnerungsfoto vorsätzlich im abstrahierenden
Betrachtungsvorgang gerade dieser Erinnerungsfunktion beraubte, traten im objektivierten
Bildbestand noch andere Assoziationen zutage, die ich im Malprozess fixierte.
3.3 Ein Vergleich:
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: „Jeder Begriff trägt seinen Widerspruch in
sich“
In Erinnerung an dieses Zitat assoziiere
ich: „Jede Wahrnehmung trägt ihren
Widerspruch in sich“
(Widerspruch meint hier wohlgemerkt nicht das Gegenteil,
sondern „das andere“)
4. Die Quadrate: „ Die Bildelemente sich selbst
organisieren zu lassen“.
Ausgangspunkt ist dabei, dass ich mir eine Anzahl von quadratischen Bildträgern
bereitstelle. Dazu kommt der Vorsatz, zum einen nie die Tafeln am Stück fertig
zu malen, sondern in mehreren Maletappen, zwischen denen mehrere Tage liegen.
Zum anderen gegenständlich interpretierbare Formen zu vermeiden (was nicht
immer gelingt).
Am Anfang gebe ich spontane, unüberlegte Anfangsimpulse in Gestalt von Formen,
Farben und launenhaften Malduktus. In den folgenden Malstunden male ich weiter,
und versuche immer konzentrierter auf das einzugehen und zu reagieren, was in
dem jeweiligen Stadium das Bild von mir will.. Es entstehen so meist
ungegenständliche Malereien.
5. Die typografischen Tafeln
5.1 Ausgangspunkt sind Gedankensplitter,
- Zitate, die einem in Erinnerung bleiben,
- Überschriften, Schlagwörter
- Sätze, die erfreuen oder auch schrecklich ärgern,
- Aphorismen, eigene oder von anderen erstellte
- Nonsens, der einem einfach nicht mehr aus dem Kopf geht usw.
- Sätze, die aus Spaß absichtlich hergestellte Missverständnisse beinhalten.
5.2 Wenn sie notiert werden, bekommen sie ein Eigenleben, das Beschäftigung mit
ihnen fordert. Eine Möglichkeit damit umzugehen, ist es, sie auf Tafeln zu
malen. Das mühsame Gestalten und Ausmalen, das kleinliche Pinseln der
Buchstaben usw. ist sehr beruhigend und distanzierend. Gleichzeitig entstehen
aber Bilder, die auch einige Aufmerksamkeit einfordern.
5.3 Die Frage ist, was das mit Kunst zu tun hat. Ist das nicht zu wenig komplex, zu
oberflächlich, zu spaßig?
Ich denke nicht. Denn unter anderem hat Kunst immer mit freier Entscheidung zu
tun, also auch mit der „Freiheit“, bei der produzierenden und rezipierenden
Beschäftigung mit Kunst die persönliche innere Stellung zwischen den Polen
Ernst und Spiel frei zu wählen.
Dazu gibt es sehr unterschiedliche Positionen
August Macke zum Beispiel galt bei seinen Freunden als „rheinische Frohnatur.“ Aber bei
einer Vernissage um 1910 fiel er höchst unangenehm auf, als er den
Eröffnungsredner lauthals unterbrach. Dieser hatte nämlich ausgerufen, dass das
Leben ernst und die Kunst heiter sein solle. Macke bezeichnete das als falsch.
Das Leben sei heiter und die Kunst ernst.
Zehn Jahre später gab es die Gruppe
der Dadaisten, die dazu eine ganz andere Position einnahmen
Diese Schrift-Wand „Gedankenlärm“ ist für mich eine ernste Spielerei oder
spielerischer Ernst. Mithilfe von typografische Tafeln jongliere ich mit
anschaulich gemachten Gedanken, Zitaten und Nonsens. Durch verschiedenste
Verfremdungs-mittel (zB. Das Latein, Weglassungen, Sinnentstellungen) mache ich
es dem Betrachter schwer, den inhaltlichen Bedeutungen auf die Schliche zu
kommen.
Mit der Schriftwand „Gedankenlärm“ widerspreche ich – freilich nicht im Ernst -
Platon, der sagt, dass es die Sinneseindrücke sind (also nicht die Gedanken), die lärmen.
Wichtig:
Für alle Bildende Kunst gilt, dass
die Erklärungen zu Bildern durch den Künstler wegen der Forderung nach Freiheit
der Kunst, für den Betrachter keinesfalls eine Maßgabe beinhalten, sich diese
Perspektive anzueignen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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